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Einblick in meine “Nerd-Box” und was das mit deinem Therapie-Prozess gemeinsam hat

Ich liebe es, wenn mein Gehirn das tut. Mein Verstand zieht dann einfach Fachbereiche zusammen, verknüpft sie und plötzlich macht alles Sinn.

Dieser Moment, wenn ich morgens völlig entspannt ein Hörbuch höre – in diesem Fall den Roman „Die Wundersammler“ – und der Kopf plötzlich anfängt, Linien zwischen Quantenphysik, dem Universum und meiner täglichen Arbeit in der Praxis zu ziehen.

In dem Buch ging es um ein physikalisches Paradoxon: Ein Atom besteht zu über 99,9 % aus reinem Zwischenraum. Aus energetischem Leerraum. Der feste Atomkern macht weniger als 0,1 % des Raums aus – obwohl er fast die gesamte Masse trägt. Im Makrokosmos, bei unserer Sonne und den Planeten, finden wir exakt dieselben Verhältnisse.

Und genau in dem Moment funkte mein Therapeuten-Gehirn dazwischen: Mensch, das ist exakt das Verhältnis der Zeit zwischen den Therapieterminen! Und genau das hat mein Gehirn mit deinem Prozess gemeinsam: Beide arbeiten am liebsten im Hintergrund und verknüpfen die Dinge im Raum dazwischen.

Die wertvolle Leere: Wir reklamieren ja auch die Pausen im Konzert

Wenn wir an Therapie oder Coaching denken, neigen wir dazu, den Wert nur an der reinen Präsenzzeit zu messen. 60 Minuten Sichtbarkeit, 60 Minuten Reden – quasi die dichte, feste „Materie“ des Prozesses. Aber genau wie das physikalische Atom in sich zusammenstürzen würde, wenn man ihm seinen leeren Raum wegnimmt, verhält es sich auch mit deiner Veränderung. Sie braucht diese wertvolle Leere im Alltag, um überhaupt atmen und wirken zu können.

Ich mag hier die Metapher eines Konzerts. Niemand käme auf die Idee, ein grandioses Musikstück nach der reinen Länge der gespielten Töne zu bewerten und die Pausen dazwischen als verloren oder fehlerhaften Leerlauf zu reklamieren. Erst das Innehalten, das feine, bewusste Schweigen zwischen den Noten, gibt der Melodie ihre Tiefe, ihre Struktur und ihre Schönheit.

Der Termin in meiner Praxis ist wie dieser dichte, kraftvolle Ton. Er setzt den Impuls, wirbelt Altes auf und stellt die Weichen. Aber das Atom als Ganzes, die eigentliche Transformation und die neue Melodie deines Lebens, entfaltet sich in den 99,9 % Raum dazwischen.

Wenn dein System im Hintergrund die Fäden zieht

Genau diese „Musik“ durfte ich gerade bei einer Klientin miterleben. Nach unserer gemeinsamen Arbeit mit dem Simpson-Protocol schickte sie mir zwischen unseren Terminen immer wieder Sprachnachrichten. Keine fertig sortierten Berichte, sondern ungefiltertes, lebendiges Staunen direkt aus ihrem Büro.

Sie nutzte in Stressmomenten ganz selbstwirksam ihre gelernten Codewörter. Ein tiefes Einatmen, Augen zu – und ihr System schaltete kurz in eine tiefe Regeneration, um im Hintergrund aufzuräumen. Der alte, laute Antreiber verlor im Alltag einfach seine Macht.

Und da schloss sich der Kreis: Während ich am Morgen gedanklich Linien zwischen Physik und Therapie wob, tat das System meiner Klientin insgeheim genau dasselbe. Ihr Unterbewusstsein zog im Hintergrund die gelernten Fäden zusammen, verknüpfte den Impuls aus der Sitzung mit dem akuten Stress und erschuf mitten im Chaos eine neue, gesunde Struktur. So funktioniert ein nachhaltiger Prozess.

Genau hier zeigt sich für mich die Qualität einer Begleitung. Es ist ein riesiger Unterschied, ob man jemanden „nach Stoppuhr“ einfach an der Praxistür verabschiedet und mit den aufgewühlten Impulsen allein lässt, oder ob man diesen wertvollen Raum des Nachglühens und Integrierens von vornherein mitdenkt und hält.

Dein innerer 99,9 % Raum: Du brauchst Dominosteine statt einer Steckdose

Gute therapeutische Arbeit macht nicht abhängig. Ich will nicht die Steckdose sein, ohne die dein Licht im Alltag nicht brennt. Erinnern wir uns noch mal an das Atom: Die wahre Energie und das riesige Potenzial liegen nicht im dichten Kern, sondern in den 99,9 % Raum dazwischen. Genau so ist es auch bei dir.Genau so verstehe ich fundierte therapeutische Arbeit.

Eine professionelle Begleitung gibt dir das Werkzeug an die Hand und hält im Hintergrund den sicheren Rahmen, damit du nach der Praxistür eben nicht verloren bist, sondern souverän mit dir selbst weitergehst. Es geht um deine Selbstwirksamkeit in deinem ganz eigenen Zwischenraum.

Denn Heilung braucht selten den großen, lauten Knall. Sie ist viel leiser. Sie ist der winzige, neu gewonnene Raum zwischen einem alten Stressreiz im Büro und deiner plötzlichen, neuen Reaktion.

Diese 99,9 % Zwischenraum sind kein Leerlauf – es ist der Platz, an dem dein System die Arbeit für dich übernimmt und die Musik entsteht. Und während dein Prozess dort draußen im Alltag ganz unbemerkt die neuen Fäden spinnt, sitzt mein nerdiges Therapeutinnengehirn wahrscheinlich schon am nächsten Kaffee und spinnt fasziniert die nächsten Linien für dich weiter.

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