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Der Satz des Tages: Humbug oder wahr? Provokativ-kitzelnd in jedem Fall!

“Die Vergangenheit bestimmt niemals das Erleben in der Gegenwart – sie ist lediglich eine dringende Einladung dazu.” (G. Schmidt)

Als ich diesen Satz das erste Mal hörte, stockte mir der Atem.
Ich bin vielschichtig traumatherapeutisch ausgebildet. Bisher lernte ich stets: NATÜRLICH prägt die Vergangenheit, all das Schlimme und Erlebte, die Gegenwart Aller!!
Ich war nahezu fassungslos.
Wie konnte eine solche Koryphäe so etwas behaupten?

Ich war ehrlich gesagt kurz davor, seine Weiterbildung (hypnosystemische Therapie) direkt abzubrechen. Es stellte gefühlt alles, was ich bisher gelernt hatte auf den Kopf.
Doch für mich entpuppte sich dieser Satz einer der wichtigsten “lessons learned” in dieser Weiterbildung.


Wie reagierst du, wenn du nur die erste Hälfte des Satzes liest und auf dich wirken lässt?
Was macht die zweite Hälfte des Satzes mit dir?
Ich möchte dich dazu einladen, an dieser Stelle nachzufühlen und mitzudenken.


 

Nachdem ich dich vorhin fragte, was dieser Satz mit DIR macht, möchte ich nun mit dir teilen, was er mittlerweile für mich bedeutet.

Für mich ist dieser Satz kein Widerspruch mehr zu all dem Anderen, was ich bisher gelernt habe.
Im Gegenteil, er macht alles Andere trennschärfer, runder.
Er macht sowohl mich als auch meine KlientInnen noch handlungsfähiger.
Ich weiß das, da ich ihn bereits einige Male in meine Arbeit habe einfließen lassen.

Ja, ich bin und bleibe dabei: Die Vergangenheit kann die Gegenwart prägen, unser Erleben, unser Verhalten.

“Kann”, das heißt nicht, dass es muss.

Wir Menschen funktionieren nicht linear. Es gibt nicht, wie in der IT, ein “If-Then-Else”. Das ist GANZ WICHTIG wahrzunehmen und zuzulassen.

Wie oft höre ich Sätze wie: “Weil mir damals XY passiert ist, bin ich so”?
Natürlich (!) fühlt es sich so an! Das ist vollkommen verständlich. Es geschieht ganz unwillkürlich, im Unterbewusstsein, von ganz allein.
Niemand kann was dafür. Auch du nicht.

(Das Neurobiologische / Neuropsychologische dahinter zu erklären, sprengt hier den Rahmen. Zu meinen Coachings /Therapien gehört das natürlich stets dazu.)

“Prägen” statt “Bestimmen”

Natürlich lernen wir aus Erlebnissen in der Vergangenheit. Das ist ganz normal und lebenserhaltend. Wir würden uns nicht wiederholt auf die heiße Herdplatte setzen. Dennoch sind wir uns sicher einig: Wir könnten es. 😉

“Erleben” als ergänzendes Wort

Hier wird es vielleicht ein kleines Bisschen philosophisch. Wo ist der Unterschied zwischen der Gegenwart und dem Erleben der Gegenwart. Genau, für mich dreht sich hier einiges um die subjektive Wahrnehmung. Was rückt in meiner Wahrnehmung in den Fokus (dreht sich bspw. alles um die metaphorische Spinne) und was nicht.

Nun zur zweiten Satzhälfte:
“Sie ist lediglich eine dringende Einladung dazu.”

“Dingend”

Ohja, das kannst du sicher bestätigen: Aufdrängend, Gefühlt mit einer irren Kraft. Es ist sehr verständlich, dass es sich so anfühlt wie ein Drang, fast wie ein Zwang, wie Opfer seiner selbst zu sein.

(Warum und was passiert, sprengt hier wieder den Rahmen. Es ist Inhalt meiner Termine – vielleicht entsteht aber auch irgendwann mal ein kurzer Artikel hier dazu.)

Und manchmal ist es sicher so, dass man sich bei all dem Drängenden gar nicht vorstellen kann, sich handlungsfähig dagegen zu entscheiden.
Auch das ist “logisch”.
Schmidt möchte mit diesem Wort, so ahne ich, genau das ausdrücken: Es ist so verständlich.

“Einladung”

Ich finde dieses Wort sehr charmant gewählt, so positiv behaftet. Wir kennen es von Partys, wir können die Einladung annehmen oder ablehnen. Je fordernder der Gastgeber ist, desto kräftezehrender vielleicht für uns, dennoch abzusagen. “Das sind dann aber echt beschissene Partys”, sagte neulich eine Klientin zu mir.

Auf welchen Partys bist du unterwegs?

Ein anderer Klient (Thema Job und Depression) richtete sich mitten in unserer Arbeit auf einmal auf und meinte: “Ich hab damals  eine Einladung angenommen! Als ich mich für diese Laufbahn entschieden habe! ”
Diese Erkenntnis, sein “Warum” und sein “Wofür” zu erkennen, hat diesem Klienten sehr geholfen.

Fazit:

Irgendwie ist dieser Satz fast magisch. es steckt so viel drin. Er bietet so viele Chancen und Möglichkeiten, trotz – nein, gerade wegen all des Schlimmen, was einem widerfahren ist, wachsen zu können.

Auf welchen Partys möchtest du unterwegs sein? Welche Partys sind schön, welche okay? Und welche Einladungen nimmst du völlig unwillkürlich, automatisch (und nochmal: verständlicherweise!) an?

Schreib mir gern, kommentiere gern. Was sind die Partys deines Lebens?

(Spoiler: Freue dich auf  Podcastfolge gemeinsam mit mir zum Thema “Posttraumatisches Wachstum”. Du wirst sie bald finden im Podcast “Geiler Coachen”  von Tanja Klein.)

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