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7 polarisierende Gedanken, die Ihren kritischen Blick auf die klassische Psychotherapie schärfen werden

1) Sind wir nicht alle ein bisschen Trauma?

In jedem Leben, auch in meinem, kommt es zu Höhen und Tiefen, zu großen und kleinen Wunden. Am Körper. Aber auch an Geist und Seele. Manche Erlebnisse verletzen tief. Sehr tief. Anderen kratzen nur an der Oberfläche.
Wer also denkt, sein Leben verliefe glatt und frei von prägenden Schicksalsschlägen, der irrt sich gewaltig. Warum das so ist?

2) Wissen-schafft

Das weiß die Wissenschaft nur bedingt.
Welche Erlebnisse verletzten und welche nicht?
Der Eine fällt in ein Wespennest – und traut sich fortan nicht mehr aus dem Haus, überrollt von Angst und Panik.
Der Andere verliert auf schrecklichste Weise seine Angehörigen. Und schafft es, das Leben mit einem Herzenslächeln zu genießen.

In der Psychotherapie spricht man gern von „multifaktoriell“. Was bedeutet, dass viele Faktoren gleichermaßen dafür verantwortlich sind, ob und wie sehr uns etwas tief verletzt.

3) Was ist das eigentlich, was uns da schmerzt?

Der Begriff „Trauma“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet nichts Anderes als „Wunde“. Genauso, wie es für körperliche Krankheiten wie Grippe oder körperliche Traumata wie einen Armbruch Diagnosekriterien und einen Codierungsschlüssel gibt, gibt es das auch für seelische Wunden. Sie sind in der ICD-10 im F-Bereich codiert.

4) Ein psychisches Trauma kann man nicht röntgen

Sie müssen wissen: eine seelische Wunde, die kann man nicht röntgen. Und auch klassische Merkmale wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit sind bei seelischen Traumatisierungen doch irgendwie subjektiv. Die ICD-10 versucht, Krankheiten griffig und diagnostizierbar zu machen. Das ist auch gut so. Für Mediziner und Krankenkassen. Ich möchte jedoch kritisch fragen: Bestimmt so die Definition und die Krankenkasse das tatsächlich, subjektiv empfundene Leid? Im Trauma-Coaching ist das anders. SIE sind der Mittelpunkt, ihre subjektive Empfindung. Ganz egal, ob ihr Trauma ein Verlust- oder Missbrauchsthema ist. Oder ob Sie sich in sich selbst gefangen fühlen, weil es draußen Wespen gibt.

In der modernen Fachliteratur verbreitet sich diese Sichtweise zunehmend, wir sprechen von einem Traumaspektrum.

5) Zahlen-Daten-Fakten

Laut ICD-10 ist nur dann jemand wirklich traumatisiert (PTBS), wenn der Befindlichkeit ein außergewöhnliches Ereignis vorangegangen ist. Das Register spricht von Missbrauch, Unfall, Todesangst, also nur von objektiv betrachteten „Schlimmergehtsnimmer-Erlebnissen“.
Im Klartext heißt das für alle wunderbaren Paragraphenreiter:

„Diese (PTBS) entsteht als (….) Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausmaßes, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Hierzu gehören eine durch Naturereignisse oder von Menschen verursachte Katastrophe, eine Kampfhandlung, ein schwerer Unfall oder Zeuge des gewaltsamen Todes Anderer oder selbst Opfer von Folterung, Terrorismus, Vergewaltigung oder anderen Verbrechen zu sein.“

6) Wer bestimmt also wirklich, ob uns etwas seelisch schmerzt?

Das bedeutet im Klartext: Nur dann, wenn das Ereignis nach den Kriterium des Gremiums heftig genug ist, werden die dazugehörigen Symptome unter PTBS klassifiziert.
Kann es somit sein, dass Menschen die leiden nicht selbst sagen können, dass dem so ist?
Nicht SIE bestimmen, ob Sie (seelisch) krank sind. Nicht Sie bestimmen, ob Ihnen angemessene Hilfe zuteil wird. Sondern Krankenkassen, Ärzte, Diagnoseschlüssel tun das.

7) Kleiner objektiver Auslöser und dennoch großer subjektiver Trauma-Schmerz?

Ja, das geht. Und genau dies ist hier der Grund für diesen Artikel. Denn: Das erlebe ich oft.
– Was ist beispielsweise mit Schulängsten, die sich im Kind so krass anfühlen, dass Todesängste entstehen? Sie sind dann nicht messbar (nicht zu röntgen, Sie erinnern sich) und somit wird speziell Kindern oft nur gesagt, es sei doch nicht schlimm und sie sollen sich mal nicht so anstellen. So rutschen selbst Kinder in eine Retraumatisierung. Die Ursache für die Angst wird nicht erkannt. Das Problem wird nicht gelöst.
– Was ist mit dem Businessmenschen, der es nicht schafft, vor seinem Team ohne Panik zu sprechen? Weil er sich betäubt und gelähmt fühlt, teilnahmslos und voller Furcht?
– Was ist mit der fantastischen Frau, die immer nur an dieselben furchtbaren Typen von Partner gerät? Weil sie irgendetwas magisch anzieht und sie noch gar nicht weiß, warum?

Hinter all diesen Erscheinungsformen können sich „Themen dahinter“ befinden. Traumatische Erlebnisse, groß oder klein.

Die dazu führen, dass Menschen sich gefangen fühlen, Opfer ihrer selbst, ihren Emotionen ausgeliefert.

Fazit: Polarisierend on point:

Ich bin dagegen. Dagegen, ein Trauma klassisch-konservativ nach ICD-10 zu kodieren.
Und komplett dafür, den Menschen, seinen Schmerz und seine Wunde in den Mittelpunkt zu stellen.
Den Stachel zu ziehen. Zu heilen. Um dann, mehr noch, wieder ein Lächeln in sein Leben zu zaubern.
Wie gut, dass ich mit meiner Meinung nicht allein da stehe. Fachleute wie Gesichen und Linden sowie Scaer sind ebenfalls skeptisch.
Für Neugierige zum Weiterlesen:
Gensichen und Linden kritisieren die Funktionalität der ICD-10, Robert Scaer beschreibt das Traumaspektrum in seinem Fachbuch.

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Gastbeitrag: Die beklopptesten 5 Dinge, die ich als Klientin jemals tat

… oder: Warum die meisten Menschen selbst Schuld am Misserfolg der Therapie haben

 

Hallo, ich bin Bettina. 

Eine, die sich nichts mehr wünscht, als andere Menschen aus ihren eigenen Fehlern lernen zu lassen. Dieser Gastbeitrag ist meine Art, der Welt gut zu tun – und jedem einzelnen Leser hier.

 

Ich: eine ganz normale Betroffene

Zu mir: Ich bin ganz normal gesetzlich krankenversichert und immer, wenn ich krank werde, zücke ich meine Karte, gehe zum Arzt und werde behandelt. Ganz egal, ob körperlich oder psychisch krank. Krank ist krank. 

Mein Fehler Nr. 1:  Opfer seiner selbst – und dann die scheinbar rettende Hand des Hausarztes 

Also war es für mich auch ganz normal, als ich am Tiefpunkt meiner Depression war – die ich natürlich vorher komplett negiert hatte – zu meinem Hausarzt zu gehen. Das Vertrauen war da, er wird mir schon sagen, was ich machen soll. Total hilflos mit der Situation, überfordert, lethargisch. Er ist ein super Arzt und hat mir direkt ein Gefühl der Hoffnung gegeben. Außerdem zückte er einen Zettel mit zwei Nummern für Psychologen – bei einer habe ich dann sehr schnell einen Termin bekommen. Ihr Antrag auf ca. 20 Std Therapie ging bei meiner Krankenkasse ohne große Prüfung durch. Einfach. Normal. Superbequem in meiner Erschöpfung. Ich musste nichts tun. Außer warten. In meiner Depression.

Nach den 20 Stunden musste ich feststellen, dass sie mir zwar geholfen hat, ein bisschen stabil zu werden, aber eine Heilung gab es nicht. Ich war weiterhin auf Antidepressiva angewiesen, diese abzusetzen war eine unvorstellbare Vorstellung. 

 

Mein Fehler Nr.  2: Zu Bequem – Ich stehe doch auf der Warteliste

 

Eine Verlängerung dieser Therapie stand außer Frage, da es eine Sackgasse war. So war es kein Wunder, dass ich wieder immer mehr in die Depression zurückkehrte. Zu diesem Punkt hatte ich ehrlich gesagt schon Kontakt zu Sandra von Wachgecoacht und auch ein sehr überzeugendes Erstgespräch geführt. Es schien zu passen.
Aber:  Auf die Idee zu kommen, dass ich Geld in die Hand nehme, um mich von ihr coachen  zu lassen, kam ich nicht. Wieso auch? 

 

Mein Fehler Nr. 3: Antriebsschwach – Wartenwartenwarten

Ich habe mich doch auf die Warteliste bei einer guten Psychologenpraxis setzen lassen. Mein Weg war gezeichnet, ich musste doch nur warten. 

 

Und so zieht es sich durch mein gesamtes Leben: 

Immer, wenn eine Krankheit akut wird, mache ich mir einen Termin bei einem Arzt und warte. Manchmal nur zwei Wochen, manchmal auch 3 Monate und manchmal bin ich sehr frustriert, weil genau der eine Arzt, zu dem ich gerne möchte, Aufnahmestopp für neue Patienten hat. 

 

Mein Fehler Nr. 4: Dieser fatale Gerechtigkeitssinn – Die Krankenkasse MUSS doch zahlen

Und dann…wenn ich ganz genau in mich hineinhorche, sagt eine innere Stimme:
“Ich bezahle jeden Monat sehr viel Geld für meine Krankenversicherung, also will ich auch dafür eine Leistung erhalten. Das ist ja nur fair. Und irgendwie das Mindeste.”. Und, ehrlich gesagt, sagt die Stimme noch viel mehr:
“Ich bin so schon gestraft genug mit meiner psychischen Krankheit, da soll ich jetzt auch noch zahlen? Doppelt?”

 

Mein Fehler Nr. 5: Spreu und Weizen – die wahnsinnige Suche nach dem Juwel in den kostenlosen Angeboten 

Auch als es in meiner Beziehung sehr gekrieselt hat, wir eine Paartherapie machen wollten, bin ich zur Diakonie gegangen. Da ist es kostenlos. Man muss nur warten. Mal wieder. 

Geholfen hat es nicht wirklich.

Da war keine Power dahinter, die Gespräche plätscherten dahin und haben mir nichts gegeben. Also haben wir die “Therapie” abgebrochen und weiter selber versucht. 

Nun, zwei Jahre später, ist es wieder soweit. Alleine klappt es nicht mehr. Aber die Diakonie wollte ich auch nicht mehr aufsuchen. 

 

Just in dem Moment kam bei WDR 5 eine Reportage über ein Pärchen, welches über die Paartherapie gesprochen hat und super zufrieden damit war. Was ein Segen” Denn:

Mir blieben die Worte hängen,

 

 “natürlich kostet es Geld, aber das ist eine Investition für die Zukunft”. 

 

Nach dem nächsten Streit habe ich dann gegoogelt, eine nette Praxis gefunden, es wurde sich schnell bemüht und nun sind wir dort in Therapie. 

Bereits das Erstgespräch hat mich überzeugt und viel weiter gebracht als die ganzen kostenlosen Sitzungen zuvor. Nun bin ich bereit Geld dafür auszugeben, obwohl das 

Ergebnis offen ist. 

 

Mein Ausweg

 

Nachdem ich all diese Fehler gemacht habe, nun aber die Frage: Warum bin ich jetzt bereit und nicht damals? Warum ist bzw. war warten für mich immer die bessere Alternative, als selber Geld in die Hand zu nehmen? Ich investiere darin doch für mich, für mein besseres Leben, für mein ICH. Warum habe ich nun schon insgesamt 2 1 /2 Jahre Psychotherapie hinter mir?

 

Die Antwort erfährst du bald. Hier. In diesem Blog. Weil ich weiter schreiben darf.

Um auf meine Weise die Welt zu verbessern.

Danke dafür.

An dieser Stelle bleibt erst einmal meine Einladung an euch:

 

Einladung zum Mutigsein

 Die meisten Menschen, die eine private Praxis besitzen, bieten Erstgespräche an.

 Die sind meistens kostenlos. Wieso nicht den Mut nehmen und da mal reinschnuppern? Natürlich bitte im Vorfeld selber so ehrlich sein und schauen, ob man es sich leisten kann – wenn man das Gefühl hat, man kann es nicht, dann kann man das Erstgespräch auch vergessen, weil man die ganze Zeit diese schlechten Gedanken im Kopf hat. 

 

Aber wenn man sich mal eine Zeitlang die Kleinigkeiten, die man sich sonst gönnt, mal aufspart und für das komplette ICHsein investiert, wird man das Leben endlich wieder für lebenswert erachten. 

 

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Warum die meisten meiner Kollegen versagen

„Ich weiß nicht, wie du das machst.“

Das sagte mir eine Klientin. Dabei war sie: überrascht, fasziniert, und ein Stück weit ungläubig.

Um ehrlich zu sein: So ganz bewusst habe ich mich das selbst nie gefragt.
Wie mache ich „das“ eigentlich? Und was ist anders als bei meinen Kollegen?
Wieso kommen immer mehr Menschen mit (erfolgloser) Therapieerfahrung zu mir?

Also begab ich mich auf eine kleine Reise in mich selbst. Auf der Suche nach einer Antwort. Für Sie, für euch, für mich.

Was ist eigentlich das „Das“?

Was meine Klientin meinte:

Ich treffe den Punkt.
Und das scheinbar außergewöhnlich schnell.
Ich sorge für ein Aua. Das Aua der Erkenntnis.
Ja, das führt zu Tränen, Wut, Scham oder ganz anderen Emotionen.
Ich schaffe dann ein Wir. Damit WIR (nicht die Klientin allein) das Trauma, die Emotionen, die Ursache für das Aua abfließen lassen.
Ich begleite dabei. Spende Ruhe, Geborgenheit, Sicherheit, Kraft.
Ich sorge für Befreiung.
Und somit für ein freies, selbstbestimmtes Leben voller Lächeln.

Wenn ich jetzt sage, dass es im Falle dieser Klientin innerhalb eines einzigen Termines geschah, dann ist das wahr. Und es ist kein Einzelfall.

Und ich glaube, das gelingt mir, aus einer Kombination von mehreren Dingen:

Der Unterschied: Ich spüre. Flexibel und dynamisch – statt statisch und genormt

Fixe therapeutische Methoden, vorgegebene Strukturen, Abläufe, Aussagenbäume und Co sind mir ein Begriff. Habe ich gelernt. Allein beim Schreiben muss ich schon gähnen.

Während andere Kollegen sich primär an genau dieses Gelernte, Strukturierte, Halt Gebende halten, breche ich aus:

Ich spüre.
Ich „empathiere“, gehe also in die Resonanz mit meinen Klienten, nehme das Nonverbale auf. Mikroexpressionen, kleine Muskelzuckungen, vielleicht auch energetische Veränderungen.
Ich schwinge nicht mit,  trotz und gerade wegen dieser intensiven Empathie. Das ist wichtig. Denn nur ein stabiler Coach ist ein guter Coach. Und kann so lenken, leiten, auflösen.

Das Ergebnis: Schier unfassbare Zusammenhänge

Ich erkenne unfassbar schnell Zusammenhänge, die manch anderer gar nicht blickt. Oder eben erst nach zig Therapiesitzungen. Die Warums. Die Themen dahinter. Die versteckten Wunden. Kurz: Die Ursachen.

Auch entscheidend: Ich vertraue.

Ich vertraue komplett. Und gebe mich  auch ein Stück weit hin.
Ich vertraue dem Prozess. Meinen Methoden. Meinen Klienten.
Denn, so glaube ich wirklich, ich fühle mich „geführt“. Und zwar eben NICHT durch Schemata und starre Therapiemethoden.

Es mag esoterisch anmuten, ich meine es aber ganz und gar nicht so. Ich glaube, ich bin genau deshalb auf dieser Welt. Um schnell zu helfen. Indem ich schnell Zusammenhänge erkenne. Und die Wurzel des Auas spüre.
Irgendwoher muss dieser bemerkenswerte Instinkt ja kommen. 😉

Bei all dem, lieber Leser, bildet natürlich die eingangs fachliche Expertise eine fundamentale Grundlage. Bei Bedarf findet dieses dröge Schema-F auch seine Anwendung.

Ich arbeite nur eben nicht primär rational.

 

Das ist es einfach, warum und wie ich „das“ mache.
Mehr noch.

Das ist es, warum ich „das“ liebe.

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Das Trauma-Paradoxon oder: Haste eins, willste eins.

Provokanter Untertitel? Stimmt. Und dennoch für viele meine Klienten so wahr. So bedauerlich, oft unbewusst und dennoch zutreffend. 

Aus meiner Praxis

Ich möchte heute berichten:

Manchmal sind Probleme und Päckchen im doppelten Sinne ein Arschloch.
Nicht nur, dass sie einem das Leben schwer machen. Als würde das nicht schon reichen. Man wünscht sich nichts mehr, als all den Ballast endlich los zu werden. Um frei zu sein. Doch irgendwie kleben diese Probleme an einem wie Pech und Schwefel.

Und manchmal…da wird es ganz besonders furchtbar. Nämlich dann, wenn man selbst noch nichtmal MERKT, wie sehr das Päckchen klebt und wie GERN es einfach bleiben möchte. Wie gern es Teil von einem sein möchte.

Denn…sehr mies…manchmal SIND diese Päckchen bereits Teil von einem selbst. Teil unserer Persönlichkeit. Teil unseres Ichs.

Ich erlebe immer mehr Klienten, die sich selbst verloren haben. Nicht mehr wissen, wer sie sind. Sich innerlich tot fühlen. Oder fremd. Das Trauma wird omnipräsent. Die Persönlichkeit verblasst.

Gute Freunde oder eine liebende Familie spiegeln dann gern, wie man ist. „Du bist ein wunderbarer Mensch.“, „So hübsch.“ etc. Doch das reicht nicht.

Wir Menschen definieren uns nicht nur über dieses sogenannte Fremdbild.

Ein klares Selbstbild, Eigenwahrnehmung und Selbstbewusstsein ist essenziell für ein geerdetes und gesundes Ich.

Wenn das Trauma jedoch so dominant ist, dass es sich komplett in einem breit macht, verblasst das Ich. Oder verstummt. Oder, mehr noch, das Trauma nimmt allen Raum ein, dass gefühlt kein Ich mehr bleibt. Leere, Tod in einem drin.

Das Trauma-Paradoxon

Wenn das geschieht, entsteht beachtenswertes ein Paradoxon:

Das, was wir einerseits unfassbar hassen, was uns lähmt, leert und sich tot anfühlt. Das, was wir unbedingt loswerden wollen. Das entwickelt eine Eigendynamik in unserem Ich. Und eine Daseinsberechtigung. Denn es füllt uns aus, scheint uns zu charakterisieren. Wir denken, wir SIND das Trauma. Und so bekommt es einen Nutzen. Und kann (und darf) daher nicht „einfach so“ verarbeitet werden.

Denn was geschieht, wenn wir uns über unser Trauma, unsere Verletzungen und Erlebnisse zu definieren beginnen, während unser eigenes Selbstbild so arg verschütt ist?

Was ist, wenn dann fast rücksichtslos-ruppig, am „Trauma-Stachel“ in der Wunde gezogen wird?

Was geschieht, wenn das entfernt wird, was alles zu sein scheint, was man ist?

Genau.

Es bleibt ein Nichts, ein Niemand, eine zerstörte Persönlichkeit.

Aber speziell tief Traumatisierte stehen sich meist aufgrund dessen bei ihrer Genesung selbst im Weg.

Aus Angst vor der gefühlten Leere und dem Nichts, definiert sich ihr Unterbewusstsein (ja, das geschieht meist unbewusst) sehr über das Trauma, den Schmerz, die Verletzung.

Ähnlich, wie ein impulsives Kind manchmal auffällig wird, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Weil es lieber Aufmerksamkeit durch Bestrafung erlangt als gar keine Aufmerksamkeit.

Und aus genau diesem Grund hindert das Unterbewusstsein mancher Klienten uns beide daran (also Klient und mich), flugs das Trauma zu verarbeiten.

Dabei ist es eigentlich eine gesunde Reaktion, an dem festzuhalten, was man ist.

So möchte auch ich weiterhin überzeugt davon sein, eine charmante, intelligente Kompetenz in meinem Gebiet zu sein 😉

Ein Ausweg aus dem Trauma-Paradoxon mitsamt Ziel

Der Plan ist also nun der, das Trauma-Paradoxon aufzulösen.

Dies geschieht am erfolgreichsten durch eine Kombination aus Übungen für den Verstand und aus Interventionen für das Unterbewusstsein.

Und dies unter Anleitung eines Trauma-Coaches deines Vertrauens.

Das Ziel ist es, das Ich wieder zu wecken, es frei zu legen, es wieder zu beleben. Denn es IST da!
Tief verschüttet oder verschubst.

Wenn das eigene Ich wieder mehr Raum einnehmen kann, darf das Trauma gehen. Dann dürfen wir den Dorn ziehen. Und die Seelenwunde darf heilen.

Wie das geht:

Die Übungen

Für die Ratio:

Die Trauma-Paradoxon-Übungen ( Download-Link) können allein, mit Hilfe eines Freundes, am besten jedoch mit einem Coach / Therapeuten durchgeführt werden. Sie  bedienen unseren Verstand.

Sie laden ein zum Recherchieren, Nachdenken, Analysieren und Träumen.

Sie machen uns Dinge bewusster und bieten, wenn sie allein ausgefüllt wurden, auch eine solide Grundlage für den nächsten Termin mit einem Coach.

Selbstreflexion, Mut und grundehrliches Hinschauen ist zwingend erforderlich. Ohne geht es nicht.

Und danach?

Für das Unterbewusstsein:
So vorbereitet geht es ab zum Traumacoach: Entdeckte Glaubenssätze werden gemeinsam überprüft, weitere gemeinsam entdeckt, limbisch runterreguliert und einsortiert.

Das Coaching

Und die Bahn ist frei für die weitere Traumaverarbeitung. Im Einzelsetting mit einem Traumacoach oder -Therapeuten.

Dies geschieht dann so individuell, passgenau und on point, dass es zwar anstrengend ist, aber befreiend. In welchem Tempo? Das bestimmt in meinem Trauma-Coaching immer der Klient. Der Umgang mit dem Gaspedal ist enorm maßgeblich für den Erfolg. Manche Klienten lieben das Schritttempo. Andere bevorzugen den Turbo.

Fazit:

Ganz egal, ob mit oder ohne häusliche Vorbereitung. Ganz egal, in welchem Tempo, völlig egal, was für Themen bewegen und wie sehr sie auf dein Ich eingreifen:
Es GIBT einen Ausweg. Es gibt eine Befreiung. Und die Chance auf eine Wiederentdeckung deiner und Ihrer selbst.

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Wie man mit einem Augenzwinkern Traumata bekämpft

4 Wies und 5 No-Gos

 

 

„Danke, das hat Spaß gemacht.“, sagte neulich eine Klientin zu mir, zum Abschied an der Tür.

Wenn nach der Verarbeitung eines Missbrauchs-Themas eine Klientin so etwas zu mir sagt – dann muss definitiv irgendwas richtig gelaufen sein. Und zwar sehr richtig.

 

Viele Klienten kommen mit heftigen Themen zu mir. Schwer, erdrückend, einsperrend.

Vielleicht mögen manche Leser denken:
Was bildet sich die Schlautmann ein, über so etwas lachen zu können?

Respektlos!

Nimmt die ihre Klienten mitsamt der Schwere ihrer Themen nicht ernst?

 

 

Ich sehe es komplett anders:

Wer nicht lacht, nimmt das Wunderbare des Lebens nicht ernst. Zollt dem Leben nicht den gebührenden Respekt. Das Leben ist ein Geschenk.

Wir nehmen uns und unsere Probleme zu oft viel zu ernst, geben ihnen eine Macht, die sie nicht verdienen. So übernehmen die Probleme unsere Kontrolle. Wir werden zu Opfern der Probleme, Opfer unserer selbst, handlungsunfähig.

 

Ein wichtiger Aspekt meines Tuns ist es daher, gemeinsam mit Ihnen auszubrechen aus Ihrem metaphorischen Gefängnis. Handlungsfähig zu werden. Die Kontrolle über das Leben, über die eigene Zufriedenheit und, ja, auch über das eigene Lächeln zurück zu erlangen.

 

 

Vorneweg:

Als ein ganz besonders starkes Element des Trauma-Coachings stochern wir NICHT analytisch-statisch-schwer in der Bedrohlichkeit des Traumas.

Trotzdem bekommt das prägende Trauma, der Klient und seine aktuelle ernsthafte Situation die Beachtung, die es verdient. Respektvoll und wertschätzend.

Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Wer zudem noch lernt zu augenzwinkern, anfangs distanziert und ungläubig. Gegen Ende mit Freude. Der erhält sein Lächeln zurück. seinen Weg hinaus aus der Dunkelheit. Hinein in die Aktivität und Handlung.
Hinein ins Leben.

Ganz egal, was einmal war.

Wie das geht:

Ähnlich wie beim provokativen Coaching auch bedarf die Kombination von Augenzwinkern und Trauma sehr viel Fingerspitzengefühl, Offenheit und Erfahrung.

1) Die Ernsthaftigkeit muss erhalten bleiben

Klienten, die sich ausgelacht oder gar durchgeschleust fühlen, die gibt es bei mir nicht.

Im Gegenteil.

Sie spüren in jeder Sekunde, wie ernst mir ihre Themen und ihr Seelenheil ist. Denn das aktuelle Thema stellt ein großes Problem dar. Mitunter sogar ein extrem großes. Da ist ausreichend Respekt, Ernsthaftigkeit und ausreichend Zeit selbstredend.

Wichtig:

Es gibt für mich kein objektiv gesehenes „richtig großes“ Problem. Völlig losgelöst von der ICD-10. Welches Erlebnis wie stark seine Spuren in der Seele hinterlässt, das hängt von vielen Faktoren ab.

2) „Ich habe die Macht, meine Probleme zu entmachten.“,

Ein weiterer Satz eines meiner Klienten – und er ist so wahr.
Durch die Fähigkeit des Augenzwinkerns werden neuronale Verknüpfungen im Gehirn befeuert, die nicht nur das Erlebte verkraftbarer machen. Sie sorgen auch für mehr Handlungsfähigkeit. Und für Kontrolle über sich selbst.

Gekoppelt mit der Erkenntnis, die Macht in sich zu haben, wird das Augenzwinkern zu einem starken Werkzeug im Trauma-Coaching.

3) Sich selbst mal nicht so bierernst nehmen

Jedes respektvoll-wertschätzende Betrachten des Traumas, bei dem wir es gleichzeitig nicht ausschließlich so ernst nehmen, intensiviert diese neuronale Datenautobahn, baut sie aus. Hin zu mehr Leben, Schmunzeln, Zufriedenheit.

4) Posttraumatischer Wachstum – ein Trauma als Chance

Was sich jetzt noch paradox liest, ist ein wissenschaftlich nachgewiesenes Phänomen: Wir können an den schlimmsten Erlebnissen wachsen.

Ein Trauma – Coaching mit Augenzwinkern schafft es, dass Sie herauskommen aus Ihrer starr-analytischen Denk- und Gefühlsspirale.
Dann können wir deutlich leichter die daraus entstandene Stärke erkennen und für uns zu nutzen lernen.
Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, lesen Sie gern meinen dazugehörigen Blogartikel.

 

Ein großes ABER: Wichtige Voraussetzungen und No-Gos

Ein Trauma-Coaching mit Augenzwinkern ist nicht Jedermanns Sache.

Es ist nichts für

1) Coaches, ohne Trauma-Erfahrung

Erfahrungsgemäß hat sich ihr Fingerspitzengefühl noch nicht ausbilden können – zu schnell kann die für sie bis dato erfolgreiche humorvolle Leichtigkeit dazu führen, dass Klient und Trauma ungewollt ins Lächerliche gezogen werden.

2) Coaches, die sich nicht gut abgrenzen können

Empathie und Mitschwingen sind wertvolle Voraussetzungen für das Augenzwinkern-Fingerspitzengefühl. Ein absolutes No-Go ist jedoch ein mit-leidender Coach / Therapeut.

3) eine Coach-Klient-Beziehung ohne sehr guten Rapport

Ein gutes Beziehungsgefüge ist die essenzielle Basis dafür, dass der Klient sich wohl fühlt und das Trauma-Coaching Früchte tragen kann.

4) ein Klient mit Faible für die klassische Psychotherapie

Er möge bitte den klassischen Weg wählen.

5) eine Drama-Queen / ein Drama-King

Ja, wir dürfen uns in unserem Elend auch mal suhlen. Doch nur ein Blick nach vorn ermöglicht eine Traumaheilung durch einAugenzwinkern. Die Bereitschaft zur Beendigung eines Dramas ist essenziell.

 

 

 

All die Wies und noch viel mehr genoss die eingangs zitierte Klientin kürzlich gemeinsam mit mir.

Und, ja, liebe Klientin auch mir hat es sehr viel Spaß gemacht.

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Posttraumatischer Wachstum

Schon einmal einen bitterbösen Brief aus dem Briefkasten gefischt – der vielleicht furchtbare Konsequenzen mit sich bringen könnte – oder auch nicht… Oder: Schon einmal das Gefühl gehabt, ungewollt schwanger zu sein? Pille vergessen und zu spät bemerkt? Schock und Panik?

Oder: Schon einmal einen Riesen-Bock im Job geschossen, so heftig, dass sich Angst und Panik breit machte – wie sage ich’s dem Chef und was passiert dann?

All dies sind Beispiele für klassische kleine „Alltagswunden“. Jeder von uns kennt sie: Man befindet sich in einer schier ausweglosen Situation. Doch dann, manchmal geschieht es, …entpuppt sich genau diese Situation als Chance. Beispielsweise schärft sich unser Blick für das, was für uns wirklich wichtig ist. Oder wir intensivieren unsere Beziehungen: Wer ist für uns da, hilft uns, lenkt uns ab in solchen Situationen? Oder wir sehen neue Wege und Perspektiven.

Wunden in der Seele – posttraumatischer Wachstum

Was ich gerade noch im Kleinen beschrieb, an Beispielen für Alltagswunden, das finden wir auch im Großen wieder. Nämlich dann, wenn wir größere traumatische Erlebnisse zu verarbeiten haben.

Denn:
Ganz egal, ob es sich um Wunden des Alltags handelt oder um eine PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung), handelt sich immer um Wunden in der Seele.

Trauma“ bedeutet im Griechischen nichts Anderes als „Wunde
So hinterlassen viele Erlebnisse in unserer Seele Narben, Verletzungen. Sie können sehr traumatisch sein.

Dazu gehören auch Trennungen, Krankheiten, Jobverlust und finanzielle Bedrohungen. Es muss nicht gleich ein Kriegserlebnis sein.

Vielleicht wurde auch Ihr Leben durch Traumatisierungen schwer beeinträchtigt. Und dennoch können Sie einen Ihrer Situation angemessenen und angenehmen Zustand erreichen.

Aus dem Leben gegriffen – ein Fallbeispiel:
Die Bekanntschaft mit Herrn J.

Ich lernte Herrn J. vor geraumer Zeit in einem nicht-beruflichen Kontext kennen. Fast nebenbei erfuhr ich, dass Herr J. in jugendlichen Jahren seinen Vater durch Gewalteinwirkung verlor. Er wurde wortwörtlich zu Tode geprügelt. Nach mehrmonatigem Koma und Bangen aller Angehörigen verstarb er.

Dass dieses traumatische Erlebnis prägt und beeinflusst, dürfte Ihnen bewusst sein: Ich erfuhr von Schmerzen, Leid und Trauer. Aber auch von Auswirkungen auf die Berufswahl, von beeinflussten Werten und Moralvorstellungen und von veränderten Rollen in der Familie.

Herr J. wirkte geprägt, selbstverständlich, aber lebensfroh, gefasst, das Erlebte verarbeitet und einsortiert, geerdet usw.
Herr J. schien an all dem auch ein Stück weit gewachsen zu sein.

Das, was Herr J. hier erlebt hat, nennt sich posttraumatischer Wachstum.

Dieser Begriff wurde v.a. von Calhoun & Teschedi in den 90er Jahren geprägt (auch Posttraumatic Growth genannt). Er beschreibt ein Element der Traumatherapie und legt den Fokus auf die Ressourcenorientierung.

Kürzlich kreuzten sich unsere Wege erneut –Herr J. machte einen sehr aufgewühlt-desolaten Eindruck.

Herr J. berichtete, dass ein innerbetrieblichen Businesscoach durch seinen Chef engagiert sei, der zur Weiterentwicklung der Firma, in der er arbeitete, beitragen sollte.

Wir alle sind Menschen und keine Maschinen –  Gefahr und Wachstumschancen trotz Trauma und Retraumatisierung

Ich muss leider immer wieder erleben, dass speziell im Businesscoaching vielen Kollegen nicht klar zu sein scheint, dass ihnen dort keine „Maschine“ gegenüber sitzt, sondern ein Mensch mit Persönlichkeit, Prägungen und, ja, evtl. auch mit traumatischem Hintergrund. Die Arbeitskraft lässt sich schlichtweg nicht losgelöst von ihrer Prägung, ihren Werten, ihren Glaubenssätzen und ihren Triggern betrachten und zum „Funktionieren bringen“. Denn genau diese Dinge nehmen Einfluss auf die Arbeitshaltung, Konzentration, auf das innerbetriebliche Denken und somit auf den wirtschaftlichen Wachstum der Firma.

Wenn ein Businesscoach nicht allumfassend ausgebildet ist, kann das Wunden aufreißen, auch die scheinbar längst verheilten Narben. Es kann Schmerzen und Erinnerungen wecken, es kann wieder alles hochkommen. Diesen Prozess nennt man Retraumatisierung.

So geschah es auch bei Herrn J.: Im Businesscoaching- Prozess wurden Glaubenssätze und Trigger angesprochen, die dazu führten, dass sich Herr M. in einer Retraumatisierung wiederfand: Flashbacks, Panikattacken und Trigger (z.B. beim Fernsehen) sind nur Beispiele seiner Reaktion auf das eigentliche Businesscoaching.

Eine Retraumatisierung ist nichts Schönes, es schmerzt, wühlt auf, weckt Erinnerungen, verwirrt, ja zerstört vielleicht auch das bis dato Aufgebaute. Und, ja, eine Retraumatisierung ist ein Arschloch.

So paradox es klingen mag: Durch Trauma und Verletzung kann Gewinn und Wachstum entstehen.

Herr J. wurde durch das Wiederhochholen seiner alten traumatischen Erfahrung förmlich dazu herausgefordert, sich dem Schmerz und dem Leid zu stellen. Um zu verstehen. Auch sich selbst. Um dann daran zu wachsen.

– Gemeinsam mit seinem Businesscoach und mir wurde Herr J. sich seiner eigenen Stärke bewusst: Wir formulierten Ressourcen und herausragende Eigenschaften, die ihm sowohl privat als auch im beruflichen Kontext für Klarheit und eine Richtung sorgten.

  • Herr J.s Blick schärfte sich für das, was ihm wichtig ist: Sein Bewusstsein für das für ihn Wesentliche war geschärft. Er reflektierte mit uns, wieder sowohl im Privaten als auch im beruflichen Kontext das, was für ihn wichtig ist. Für mehr Sinnhaftigkeit.
  • Außerdem entdeckte Herr J. neue Möglichkeiten und Perspektiven für seinen (beruflichen) Erfolg. Aber auch, wie er sein Privatleben reicher gestalten kann.

Herr J. erfährt also ein zweites Mal in seinem Leben einen posttraumatischen Wachstum.

Immer dann, wenn wir solche Entwicklungsprozesse wie die des Herrn J. beobachten oder auch die aus unseren ersten kleineren Fallbeispielen, ist dies ein Zeichen der Verarbeitung des Traumas sowie der Ressourcenorientierung.

„Ganz klar lässt sich aus der Forschung zum Thema Traumatic Growth der Schluss ziehen, dass man nicht lebenslänglich unter Traumata leiden muss. Menschen verfügen über erstaunliche Kräfte der Heilung und Regeneration.“ (Reddemann u. Reddemann 2006, S. 155)

Es ist also nachweislich so, dass bei einer enorm hohen Prozentzahl aller Traumatisierten neben all dem Schmerz und Leid auch immer mindestens ein Anzeichen an posttraumatischem Wachstum sichtbar ist.

Und somit ist (Re-) Traumatisierung eben doch nicht immer nur ein Arschloch.

Oder anders ausgedrückt: Dieser Artikel soll Hoffnung und Perspektiven schenken. All denjenigen Lesern, die unter Traumatisierungen leiden. Und auch all den Angehörigen traumatisierter Menschen, die ebenso mitleiden.

Selbstcoachingtipp

Sie möchten wissen, ob auch Sie aus der Not eine Tugend gemacht haben und  auch einen posttraumatischen Wachstum erfahren konnten?
Hier folgen für Sie nun Profi-Übungen für den Privatgebrauch in Anlehnung an Herrn J.s Fallgeschichte und an die fünf Bereiche des Wachstums nach Calhoun & Tedeschi.

Wie es geht:

  • Sie können diese Fragen ganz in Ruhe mit sich allein beantworten, aber genauso gut mit Ihrem Partner oder Freund.
  • Bitte nehmen Sie sich Zeit.
    Schreiben Sie gern Ihre Gedanken auf, das trainiert Ihr Gehirn zusätzlich.
  • Wenn Sie mögen, beantworten Sie die Fragen gern in regelmäßigen Abständen erneut. Das schafft Bewusstsein für Ihren eigenen posttraumatischen Wachstum – und Sie werden weiter wachsen.

1) Stärken als Wegweiser

Was halten Sie selbst für Ihre Stärke, herausragende Eigenschaft? Woraus schöpfen Sie Kraft? Was können Sie besonders gut, vielleicht auch seit Ihrem traumatischen Erlebnis? Können Sie dieses Wissen als Wegweiser für Ihr Leben nutzen? Vielleicht haben Sie in Ihrer Krisensituation spüren, dass beispielsweise das Zuhören Ihre Stärke ist – wie können Sie dies jetzt nutzen?

2) Des Pudels Kern

Wissen Sie, was für Sie das Wesentliche in Ihrem Leben ist? Was lieben Sie, was gibt Halt, worauf kommt es in Ihrem Leben für Sie an? Vielleicht ist es das Geld? Oder ein Oasenmoment vor dem Kamin?

3) Spreu und Weizen

Wie denken Sie über Ihre sozialen Kontakte? Wer stand in Krisenzeiten an Ihrer Seite? Wer sorgt für Halt, Stabilität, Geborgenheit? Das kann von der Oma bis zum Chef jeder sein. Wie intensiv pflegen Sie diese Kontakte?

4) Perspektiven

Brachte Ihr traumatisches Erlebnis vielleicht eine Orientierungshilfe für Ihren Lebensweg mit? Im Fall von Herrn J. war es damals die angestrebte Ausbildung. Was ist es bei Ihnen?

5) Sinnhaftigkeit

Was gibt Ihrem Leben einen Sinn? Ist es der Hund? Die alleinstehende Oma? Oder der berufliche Lebensinhalt? Hat sich Ihr Lebenssinn nach Ihrer Krise verschoben, wie nehmen Sie ihn davor und danach wahr?

Wichtige Abschlussbemerkungen:

Dieser Artikel soll nicht verharmlosen oder schön reden. Bitte seien Sie sich der Tragweite und der Schwere so manch eines Traumas, speziell der komplexen Traumatisierungen, sehr bewusst. Ich empfehle immer eine Form der Traumatherapie beim Therapeuten Ihres Vertrauens.

Auch von bewusster Retraumatisierung rate ich mehr als ab, im Gegenteil, ein guter Therapeut ist, ebenso wie ich, um die Vermeidung dessen sehr bemüht.

Autor: Sandra Schlautmann
Thema: Posttraumatisches Wachstum
Webseite: http://www.wachgecoacht.de

Autorenprofil Sandra Schlautmann:

Heilpraktiker f. Psychotherapie m. Schwerpunkt Traumatherapie

ttps://www.ratgeber-lifestyle.de/beitraege/persoenlichkeitsentwicklung/posttraumatisches-wachstum.html